PRODVIS Wissen Juli 2026 4 min Lesezeit
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KI-Berufe, Arbeitsteilung und die Frage nach der eigenen Souveränität

Ein Blick auf drei Beiträge von Prof. Holger Schmidt (FAZ) – und was Mittelständler daraus mitnehmen können.

Split-Screen: links eine Hand, die ein Zahnrad justiert (menschliches Urteil), rechts dasselbe Zahnrad als leuchtendes digitales Datennetz (KI-Ausführung) Bild antippen zum Vergrößern
Arbeitsteilung als Bild: menschliches Urteil links, KI-Ausführung rechts – dasselbe Zahnrad, zwei Rollen.

288 neue Berufsbezeichnungen mit KI-Bezug sind in Deutschland entstanden – mehr als in jedem anderen europäischen Land. 64 Prozent dieser Stellen liegen außerhalb der Techbranche. Gesucht wird nicht der KI-Entwickler. Gesucht wird der Sachbearbeiter, der KI in seinen Prozess übersetzt. Das PwC AI Jobs Barometer beziffert den Gehaltsaufschlag für solche Positionen auf 56 Prozent (FAZ.NET/Digitalwirtschaft, Prof. Holger Schmidt).

Nicht die Technik ist der Flaschenhals

Das bestätigt, was wir bei PRODVIS im Mittelstand täglich sehen: Nicht die Technik ist der Flaschenhals. Die Übersetzung in den eigenen Prozess ist es. Wer diese Übersetzung nicht selbst leisten kann, muss sie sich holen – bevor er überhaupt eine KI-Stelle ausschreibt.

Was in die Maschine gehört – und was beim Menschen bleibt

Schmidt beschreibt auch, wie die Arbeitsteilung zwischen Mensch und KI aussehen sollte: In die Maschine gehört, was nur Zeit kostet – Umformen, Protokollieren, Triage, Faktenprüfung. Beim Menschen bleibt, was das eigene Urteil bildet. Die Lektüre entscheidender Texte, die finale Redaktion, das Gedächtnis für die eigene Domäne – das darf kein Wissensarbeiter auslagern. Denn prüfen kann nur, wer die Inhalte selbst kennt (FAZ.NET/Digitalwirtschaft, Prof. Holger Schmidt).

Genau diese Trennlinie ist der Kern unserer Arbeit. Bevor wir bei einem Kunden eine KI-Lösung einführen, klären wir zuerst: Welcher Schritt in diesem Prozess kostet nur Zeit? Und welcher Schritt bildet Urteil, Erfahrung, Verantwortung? Erst danach entscheiden wir, was automatisiert wird – und was nicht.

Keine Universal-KI ohne die eigenen Daten

Auch beim dritten Punkt liegt die FAZ-Redaktion richtig: Generalisten wie ChatGPT oder Gemini stoßen an Grenzen, wenn Fachdatenbanken und Bezahlinhalte fehlen. Deshalb setzen sich in Wissensberufen Spezialisten durch – Harvey für Juristen, AlphaSense für Finanzprofis, OpenEvidence für Ärzte (FAZ, Johannes Winkelhage: Das sind die besten KI-Recherchetools für Profis). Im Mittelstand gilt dasselbe Prinzip: Keine Universal-KI ohne Zugriff auf die eigenen Unternehmensdaten hilft wirklich weiter. Ein KI-Agent, der nicht an Ihr ERP-System, Ihre Warenwirtschaft, Ihre Kundendaten angebunden ist, bleibt ein Pilotprojekt ohne Substanz.

Souveränität entsteht durch Investition

Und noch ein Gedanke aus dem Editorial: Wer digitale Souveränität fordert, aber jede Investition in Infrastruktur blockiert, verfehlt sein Ziel (FAZ, Prof. Holger Schmidt). Das gilt für Rechenzentren genauso wie für Unternehmen. Souveränität entsteht durch Investition und Kompetenzaufbau – nicht durch Abwarten.

Global denken, lokal handeln: Die großen KI-Trends sind gesetzt. Was zählt, ist die Übersetzung in den eigenen Betrieb, in den eigenen Prozess, in die eigene Entscheidung.

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Wo steht Ihr Unternehmen bei dieser Arbeitsteilung?

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Quellen

Wolf Schumacher, CEO – PRODVIS, Productive Vision UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG.

This article is published in German. Short summary:

288 new AI-related job titles have emerged in Germany – more than in any other European country, with 64 percent of them outside the tech sector. The role in demand is not the AI developer but the caseworker who translates AI into their own process; PwC's AI Jobs Barometer puts the salary premium for such positions at 56 percent. This confirms what PRODVIS sees daily in the mid-market: technology is not the bottleneck – translating it into your own process is.

Prof. Holger Schmidt (FAZ) describes how the division of labour between humans and AI should look: hand the machine what only costs time – reformatting, logging, triage, fact-checking – and keep with the human what forms judgement: reading the decisive texts, final editing, memory for your own domain. Only someone who knows the content can check it. That dividing line is the core of our work: before introducing an AI solution, we first clarify which step only costs time and which step forms judgement, experience and responsibility.

Generalists like ChatGPT or Gemini hit limits without specialist databases and paywalled content, so specialists win in knowledge work – Harvey for lawyers, AlphaSense for finance, OpenEvidence for doctors. The same principle holds in the mid-market: no universal AI without access to your own company data really helps. An AI agent that is not connected to your ERP, inventory and customer data stays a pilot without substance. And sovereignty comes from investment and building competence – not from waiting. The big AI trends are set; what counts is the translation into your own operation, process and decision.