KI-Berufe, Arbeitsteilung und die Frage nach der eigenen Souveränität
Ein Blick auf drei Beiträge von Prof. Holger Schmidt (FAZ) – und was Mittelständler daraus mitnehmen können.
288 neue Berufsbezeichnungen mit KI-Bezug sind in Deutschland entstanden – mehr als in jedem anderen europäischen Land. 64 Prozent dieser Stellen liegen außerhalb der Techbranche. Gesucht wird nicht der KI-Entwickler. Gesucht wird der Sachbearbeiter, der KI in seinen Prozess übersetzt. Das PwC AI Jobs Barometer beziffert den Gehaltsaufschlag für solche Positionen auf 56 Prozent (FAZ.NET/Digitalwirtschaft, Prof. Holger Schmidt).
Nicht die Technik ist der Flaschenhals
Das bestätigt, was wir bei PRODVIS im Mittelstand täglich sehen: Nicht die Technik ist der Flaschenhals. Die Übersetzung in den eigenen Prozess ist es. Wer diese Übersetzung nicht selbst leisten kann, muss sie sich holen – bevor er überhaupt eine KI-Stelle ausschreibt.
Was in die Maschine gehört – und was beim Menschen bleibt
Schmidt beschreibt auch, wie die Arbeitsteilung zwischen Mensch und KI aussehen sollte: In die Maschine gehört, was nur Zeit kostet – Umformen, Protokollieren, Triage, Faktenprüfung. Beim Menschen bleibt, was das eigene Urteil bildet. Die Lektüre entscheidender Texte, die finale Redaktion, das Gedächtnis für die eigene Domäne – das darf kein Wissensarbeiter auslagern. Denn prüfen kann nur, wer die Inhalte selbst kennt (FAZ.NET/Digitalwirtschaft, Prof. Holger Schmidt).
Genau diese Trennlinie ist der Kern unserer Arbeit. Bevor wir bei einem Kunden eine KI-Lösung einführen, klären wir zuerst: Welcher Schritt in diesem Prozess kostet nur Zeit? Und welcher Schritt bildet Urteil, Erfahrung, Verantwortung? Erst danach entscheiden wir, was automatisiert wird – und was nicht.
Keine Universal-KI ohne die eigenen Daten
Auch beim dritten Punkt liegt die FAZ-Redaktion richtig: Generalisten wie ChatGPT oder Gemini stoßen an Grenzen, wenn Fachdatenbanken und Bezahlinhalte fehlen. Deshalb setzen sich in Wissensberufen Spezialisten durch – Harvey für Juristen, AlphaSense für Finanzprofis, OpenEvidence für Ärzte (FAZ, Johannes Winkelhage: Das sind die besten KI-Recherchetools für Profis). Im Mittelstand gilt dasselbe Prinzip: Keine Universal-KI ohne Zugriff auf die eigenen Unternehmensdaten hilft wirklich weiter. Ein KI-Agent, der nicht an Ihr ERP-System, Ihre Warenwirtschaft, Ihre Kundendaten angebunden ist, bleibt ein Pilotprojekt ohne Substanz.
Souveränität entsteht durch Investition
Und noch ein Gedanke aus dem Editorial: Wer digitale Souveränität fordert, aber jede Investition in Infrastruktur blockiert, verfehlt sein Ziel (FAZ, Prof. Holger Schmidt). Das gilt für Rechenzentren genauso wie für Unternehmen. Souveränität entsteht durch Investition und Kompetenzaufbau – nicht durch Abwarten.
Global denken, lokal handeln: Die großen KI-Trends sind gesetzt. Was zählt, ist die Übersetzung in den eigenen Betrieb, in den eigenen Prozess, in die eigene Entscheidung.
Wo steht Ihr Unternehmen bei dieser Arbeitsteilung?
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Quellen
- FAZ.NET / Digitalwirtschaft – Prof. Holger Schmidt
- FAZ, Johannes Winkelhage: Das sind die besten KI-Recherchetools für Profis
Wolf Schumacher, CEO – PRODVIS, Productive Vision UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG.